Filmsprache:
Das Filmen von Sequenzen
Das menschliche Auge "springt" normalerweise beim Betrachten von Vorgängen oder von Gegenständen. Filmerisch gesprochen: Das Auge macht "harte Schnitte".
Aber das Auge kann gelegentlich auch "schwenken" – beispielsweise wenn es eine Bewegung verfolgt oder wenn es einen Vorgang bzw. Gegenstand gezielt mustert oder (ab)sucht.
Wer eine Szene betrachtet, verschafft sich In der Regel zunächst einen Gesamtüberblick ("Totale"). Danach richtet er seine Aufmerksamkeit – natürlich abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit – mehr oder weniger intensiv auf unterschiedlich große Teilausschnitte des Ganzen ("Halbtotale", "Halbnah", "Nah", "Groß", "Detail" o.ä.).
Der Gesamteindruck eines Vorganges oder eines Gegenstandes entsteht somit aus einer mehr oder weniger schnell absolvierten Folge von Einzel-Blicken ("Einstellungen"). In der Filmsprache nennt man eine solche Bildfolge eine "Sequenz".
Das Filmbild ist von Natur aus zweidimensional ("Höhe", "Breite"). Welche Möglichkeiten hat nun ein(e) Kameramann(-frau), trotzdem im Kopf des Betrachters eine plastische Vorstellung, also die dritte Dimension ("Tiefe"), zu erzeugen? In erster Linie geschieht dies
¾ durch eine bewusste Bildgestaltung (z.B. Diagonalen, Berücksichtigung der drei Bildebenen "Vordergrund - Mitte - Hintergrund") und
¾ durch Änderung des Betrachtungswinkels. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten an:
Wechsel des Kamerastandortes, z.B. (schräg) von vorne, (schräg) von hinten, seitlich von rechts oder von links, Schuss / Gegenschuss o.ä., und
Wechsel der Kameraperspektive, z.B. Augenhöhe, Bauchhöhe, Vogelperspektive, Froschperspektive.
Tipp: Beim Wechseln des Kamerastandortes sollte der Kameramann die 30O-Regel beachten, d.h. den Blickwinkel der Kamera um mindestens 30O (ver)ändern.
¾ Auch durch Verschieben der Fokussierung des Zuschauerblicks vom Vordergrund zum Hintergrund oder umgekehrt ("Schärfenverlagerung") kann man Bildtiefe erzeugen.
Ein Vorgang oder ein Gegenstand wird beim Filmen in mehrere, unterschiedliche Einstellungsgrößen "zerlegt", und beim Aufnehmen dieser Einstellungen wird jeweils der Kamerastandort und/oder die Kameraperspektive verändert. Selbstverständlich können zusätzlich auch noch weitere Gestaltungstechniken wie Schwenks, Zooms bzw. Kamerafahrten, Schärfenverlagerungen usw. genutzt werden.
Grundsätzlich gilt:
Was ich nicht gefilmt habe, kann ich später auch nicht schneiden!